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BBA Round Table

International Day ID - Jahresempfang der Best Business Association, des Neuburger Gesprächskreises und des Wirtschaftsbeirat Bayern: Wachstum, Leistung, Flexibilität – Was macht Polen gerade richtig?

26. Februar 2026

Deutschlands östliches Nachbarland Polen, das sich derzeit durch deutlich über dem EU-Durchschnitt liegendes Wachstum auszeichnet, stand im Mittelpunkt des International Day mit dem Jahresempfang der Best Business Association (BBA), des Neuburger Gesprächskreises und des Wirtschaftsbeirats Bayern an der Universität Passau.

„Wachstum, Leistung, Flexibilität – was macht Polen gerade richtig?“, lautete die Leitfrage des Abends. „Die Wahrnehmung Polens hat sich deutlich verändert. Das Land ist nicht mehr der kostengünstige Produktionsstandort in der Peripherie der EU, sondern spätestens seit dem Ukrainekrieg ein zentraler geopolitischer Akteur geworden“, sagte Prof. Dr. Jan Schumann, Präsident elected der Universität Passau.

Die wirtschaftliche Entwicklung Polens in den vergangenen 40 Jahren sei weltweit eine der größten Erfolgstories, sagte Marcin Król, Leiter der Wirtschaftsabteilung an der Botschaft der Republik Polen in Berlin. Vergangenes Jahr habe Polen beim Bruttoinlandsprodukt die Marke von einer Billion US-Dollar geknackt und zähle seither zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt. Inzwischen sei es gelungen, die Schweiz zu überholen. Polen sei einer der Wachstumsmotoren Europas – gerade auch dank seiner unternehmerfreundlichen Einstellung: „Wir haben keine Angst vor Unternehmern“. Klar sei aber auch: Das Land habe EU-Gelder besonders effektiv genutzt. Polen sei noch immer der größte Netto-Empfänger in absoluten Zahlen, aber prozentual machten die Gelder nur noch ein Prozent des BIP aus.

Auch Klaus Bleckenwegner, COO International der Swietelsky AG aus Linz, eines Baukonzerns mit rund 4 Milliarden Euro Bauleistung, attestierte den Polen ein „Unternehmer-Gen“: Der Wunsch nach Selbstständigkeit und Autonomie sei Ergebnis der Mentalität, die wiederum auf der geschichtlichen Erfahrung basiere. So seien allein 2024 rund 350 000 Unternehmen in Polen gegründet worden – Unternehmensgründungen seien dort übrigens komplett online möglich.

Bleckenwegner beleuchtete die Erfolgsfaktoren der polnischen Wirtschaft näher. Das Land sei dank seiner gut ausgebildeten Arbeitnehmer und vergleichsweise günstigen Gehaltskosten derzeit in Europa führend im Near-Shoring, also als Service-Dienstleister für internationale Konzerne.

„Auch in den Behörden sitzen top-ausgebildete Leute“, so Bleckenwegner. Ferner habe das Land massiv in seine Infrastruktur investiert, auch dank der Förderung der EU. 2004 hatte Polen erst etwa 203 km Autobahnen, mittlerweile seien es rund 5000 km Autobahnen und Schnellstraßen. Auch die Anzahl der Bahn-Hochgeschwindigkeitsstrecken nehme weiter zu. Kein Wunder, dass Polen nach Deutschland und Großbritannien mittlerweile der drittgrößte Logistikhub Europas sei. Als einziges Land in Europa gelinge es Polen überdies derzeit, in nennenswertem Umfang Produktion aus China zurückzugewinnen.

Auch Claus Wallenstein, Head of MAN Europe Central East und Mitglied des Vorstands der Deutsch-Polnischen Handelskammer, sowie Patrick Ossiander, Managing Director der Lindner Group sowie Member of the Management Board von Lindner Polska, bestätigten diese Einschätzung Polens als bedeutenden europäischen Wirtschaftsstandort im Allgemeinen und als Service- und Logistik-Hub im Besonderen. Sie betonten, dass Polen eine zentrale Rolle spiele als Tradegate zwischen Ost und West.

Zuvor hatte Prof. Dr. Thomas Wünsch, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte Osteuropas und seiner Kulturen an der Universität Passau, in einem historischen Rückblick die vergangenen rund 1000 Jahre der wechselvollen Geschichte Polens erläutert. Das heutige polnische Selbstverständnis und das ausgeprägte Streben nach Autonomie und Unabhängigkeit seien historisch begründet: Die Traumata der Aufteilung Polens im 18. Jahrhundert und durch den Hitler-Stalin-Pakt von 1939, der zur zwischenzeitlichen Vernichtung des polnischen Staats geführt hatten, spielten dafür nach wie vor eine Rolle.

Ein Networking-Empfang bei bayerische-polnischem Essen rundete den gelungenen Abend ab.


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